Der Hanság Főcsatorna (Hanság Hauptkanal), die Lebensader des Gebiets / Foto: Barbara Schön

(Barbara Schön/BS): Südöstlich des Neusiedler See Gebiets, welches vielen Besuchern für seine pannonische Flora und Fauna ein Begriff ist und wo sich tausende Fotografen jedes Jahr an den seltenen Vogelarten erfreuen, erstreckt sich, großteils in Ungarn gelegen, das Hanság Gebiet. In früheren Zeiten stellte es ein wichtiges landwirtschaftliches Nutzgebiet dar, wurde seit dem 16. Jahrhundert entwässert und nutzbar gemacht und ist heute noch ein wunderschöner Rückzugsort von der Hektik des Stadtlebens. Touristisch nicht überlaufen, bietet die Natur rund um den Hanság Hauptkanal wilde Romantik und der dort gelegene Nationalpark hat sich dem Ökotourismus und dem Naturschutz verschrieben. Auf der Webseite des Nationalparks ( https://www.ferto-hansag.hu ) gibt es ganzjährig sehr interessante Programme und Vorträge.

Wir starten unsere kleine Tour in meinem Heimatdorf, dem idyllischen kleinen Barbacs im Győr-Moson-Sopron Bezirk. Hier hatte der Hanság Főcsatorna über Jahrzehnte hinweg, wie man mir berichtet, eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die sumpfige Landschaft rund um den Kanal wurde nicht nur für die Schilfwirtschaft zur Anfertigung der traditionellen Schilfdächer genutzt, auch die saftigen, mit Wildkräutern bewachsenen, Wiesen waren beliebte Weideflächen für die berühmten Graurinder, welche heute direkt im Naturschutzgebiet noch in großer Anzahl angetroffen werden können. Auch Honigproduktion und Fischfang zählten, beziehungsweise zähen noch immer, zu den lokalen Einnahmequellen und auch das Korbflechthandwerk hat hier eine lange Tradition. In vielen Dörfern gibt es Personen und Vereine, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, das handwerkliche Wissen und traditionelle Baukunst zu bewahren. Oft findet man Freiluftmuseen ( tájház ), hier ein Beispiel eines solchen, welches in Barbacs geführt besichtigt werden kann.

Über Csorna, Kapuvár und Fertőd geht es weiter nach Sarród, dort befindet sich der Fertő-Hanság Nationalpark. Wir lassen unser Fahrzeug am Parkplatz stehen und erkunden das Gebiet weiter zu Fuß. Als Erstes werden wir von saftigen Wiesen begrüßt und einem traditionellen runden Rinderstall, auf dessen dahintergelegenen Weiden sich hunderte Graurinder tummeln. Von einigen davon wurden wir am Weg zum Nationalpark schon auf der Straße begrüßt.

Wir wandern weiter in das Naturschutzgebiet und treffen Angler, Fahrradgruppen und mit Kamera ausgestattete Vogelkundler, sowie einige Familien welche, mit Biologie Buch bewaffnet, den Kindern die Wildtiere und Pflanzen näherbringen.

speziell mit dem Fahrrad kann das gesamte Gebiet wunderbar erkundet werden / Foto: Barbara Schön

Dem ambitionierten Vogelfotografen bietet sich hier eine ganze Palette an Motiven, von den Graugansschwärmen, über Reiherarten bis hin zu den allseits beliebten Störchen. Richtige Profis und solche die es noch werden wollen, können sich hier stundenlang auf die Lauer legen. Informative Tafeln zeigen übersichtlich und mehrsprachig welche Vogelarten in der jeweiligen Saison angetroffen werden können.

Einige der Vogelarten und wann man sie sehen kann / Foto: Barbara Schön

Ebenfalls bietet der Nationalpark Bootstouren an, da es sich um einen Ökopark handelt, natürlich mit einem Solarboot. Zum jetzigen Zeitpunkt gab es noch keine Details zum Fahrplan in 2020 aber auf der genannten Webseite kann man mehr darüber erfahren. Wir hatten diese Tour letztes Jahr gemacht und sie ist wärmstens zu empfehlen. Unser Tourguide sprach auch sehr gut Deutsch.

Bootstouren / Foto: Barbara Schön

Nach etwa 10minütiger Wanderung erreicht man die ersten Aussichtsplattformen, auf welchen sich die einmalige Schönheit des Gebiets offenbart. Kleine Raststationen und Buchten am Kanal laden zum Verweilen ein und man kann genüßlich seine Jause verzehren, umgeben von purem Leben. Natürlich gibt es auch in den umliegenden Dörfern eine Fülle von kleinen Restaurants und Gasstätten, welche für das leibliche Wohl sorgen. Viele davon bieten speziell für Radfahrer und Radfahrergruppen schattige und gesicherte Fahrradabstellplätze an, wo dann mit Speis und Trank und guter Unterhaltung der Abend ausklingen kann, oder man sich für die Rückfahrt stärkt. Bilder sagen mehr als tausend Worte, darum möchten wir euch die Eindrücke von diesem wunderschönen Ausflug nicht vorenthalten:

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