Keine Reisewelle in oder aus der Ukraine

Archivbild: Reise auf Ungarns Autobahn - Foto: Flying Media Hungary

Seit dem 11. Juni dürfen ukrainische Staatsbürger ohne Visum in die EU – und damit auch nach Ungarn – einreisen, sofern sie über einen entsprechenden biometrischen Pass verfügen und ausreichend Geldmittel vorweisen können. In den ersten drei Monaten nutzten 236.000 Reisende diese neue Möglichkeit.

Das sind nicht viel! Insgesamt reisten nämlich 5,8 Millionen Ukrainer in die EU, die aber entweder noch alte Visa nutzen konnten oder über keinen biometrischen Pass verfügen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das jedoch immer noch ein Plus von 10%. Insgesamt leben 45 Millionen in der Ukraine. Ungarn hat sich für diese erleichterte Form der Einreise immer stark gemacht. Dabei hatte man vor allem die in der Nähe der Grenze lebenden schätzungsweise 150.000 bis 200.000 ethnischen Ungarn im Blick.

Das Ausbleiben einer „Reisewelle“ kommt für Experten nicht überraschend. Der Durchschnittsverdienst in der Ukraine liegt bei 250 Euro und sank in den letzten Jahren politischer Instabilität. Viele einfache Ukrainer haben somit nicht ausreichend Geld für einen Auslandsurlaub oder einen biometrischen Pass. Wer auf ungarischen Straßen ukrainische Fahrzeuge sieht, hat es meist mit der kleinen neureichen Oberschicht zu tun. Ein Großteil der Grenzübertritte kommt auch dadurch zustande, dass viele vor allem in Polen arbeiten. Im letzten Jahr erhielten 1,3 Millionen Ukrainer eine zeitlich beschränkte Arbeitserlaubnis in dem östlichen EU-Land. Diese haben von der Visafreiheit aber nichts, da damit nur Geschäftsreisen, touristische Aufenthalte und Familienbesuche möglich sind, eine Arbeitserlaubnis ist damit aber nicht verbunden.

Besonders anziehend ist die Ukraine für EU-Bürger anscheinend auch nicht. In der Karpatenukraine, die an Polen, die Slowakei, Ungarn und Rumänien grenzt und wo der Großteil der Minderheitenungarn lebt, wurden in diesem Jahr ca. 1 Millionen meist inländische Touristen begrüßt. Hauptgrund hierfür sind nach einer Pressemitteilung die oft kaum vorhandene Infrastruktur und ein desaströser Zustand existierender Straßen. Das ist wirklich schade, denn man könnte hier eine wunderbare Landschaft  mit vielen natürlichen Sehenswürdigkeiten entdecken. Für die ungarische Regierung ist der wirtschaftliche Zustand nicht nur deshalb interessant, weil das Gebiet sozusagen vor der eigenen Haustür liegt, sondern weil man sich als Vertreter der ethnischen Ungarn sieht, deren Lebensstandard von den Gegebenheiten vor Ort abhängt.

von Stefan Höhm (sh)

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