Allerletzte Reste des Eisernen Vorhangs werden beseitigt

Nationalpark am Neusiedler See - Foto: Flying Media Hungary

In den politischen Sonntagsreden heißt es ja immer so schön, dass in Ungarn der erste Stein aus der Berliner Mauer geschlagen wurde. Dazu werden oft Bilder aus der Gegend von Sopron gezeigt, wo im August 1989 beim Paneuropäischen Picknick erstmals gleich hunderte DDR-Bürger in den Westen gelangten oder von der endgültigen Grenzöffnung im September 1989, wo die in Ungarn ausharrenden Ostdeutschen zumeist über Sopron/Klingenbach in ihren Trabis ausreisten. Und hier, genauer gesagt im Neusiedler See (Fertő tó), sollte nun der wahrscheinlich letzte Stein der Berliner Mauer eingesammelt werden.

Der ungarisch-österreichische Grenzverlauf wurde auf ungarischer Seite im Kalten Krieg mit auf 4 bis 5 Metern aus dem Wasser ragenden Schildern markiert. Den tatsächlichen Abriss des Eisernen Vorhangs machte man sich hier damals jedoch zu einfach, die Stahlrohre mit einem Durchmesser von etwa 10 cm wurde einfach knapp über der – damaligen – Wasserlinie abgeflext. Eine schnelle, aber nicht sehr nachhaltige Methode, auch wenn in Ungarn bis heute auf diese Weise immer noch alte Verkehrsschilder entfernt werden – mit einer bösen Stolperfalle am Boden.

Im See war das freilich mehr als eine einfache Stolperfalle. Geflext wurde nämlich bei einem sehr niedrigen Wasserstand, so dass die abgetrennten Rohre für die Bootsführer von oben nicht mehr zu erkennen waren und so zahlreiche Wasserfahrzeuge beträchtliche Schäden erlitten, wenn sie von unten aufgeschlitzt wurden.

Nun rückten also Fachleute mit allerlei Technik an. Aber die Reste des Eisernen Vorhangs zeigten sich sehr widerstandsfähig. Alle Scheren, Ketten, Drähte und Stricke schafften es nicht, die Stahlrohre aus ihrem Fundament zu lösen. Zumindest wurden die entsprechenden Punkte jetzt mit Bojen markiert, so dass diese Gefahr für Boote schon einmal gebannt scheint, bis man das Problem endgültig beseitigen kann.

Dafür tat sich aber eine neue, vollkommen unerwartete Aufgabe auf. Die Unterwassertechnik zeigte nämlich an, dass hier in quantitativ bedeutendem Umfang Metall auf dem Grund bzw. im Modder liegt. Zunächst dachten die Fachleute an Konservendosen und ähnliche Hinterlassenschaften. Als dann eine Probe gehoben wurde, war aber klar, dass das Problem viel größer ist: gefunden wurden Granaten und Schusswaffen. Diese müssen nun wiederum Fachleute beseitigen, was im Wasser natürlich auch wetterabhängig ist.

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