In den letzten Jahren hat die Künstliche Intelligenz im Tourismus zunehmend an Bedeutung gewonnen. Millionen von Reisenden nutzen sie zur Inspiration, für Routenplanungen, Sehenswürdigkeitenempfehlungen oder sogar für ganz konkrete praktische Informationen. Die Technologie liefert schnelle, überzeugende und selbstsichere Antworten. Genau das macht sie gleichzeitig äußerst nützlich und potenziell gefährlich.
Ein aktueller internationaler Vorfall verdeutlicht dieses Problem eindrucksvoll. Auf der Website eines australischen Reiseunternehmens erschien ein von Künstlicher Intelligenz generierter Artikel, der Touristen zu nicht existierenden Thermalquellen in Tasmanien führte. Der Ort war real, die Beschreibung idyllisch, die Geschichte plausibel, nur eines stimmte nicht. Diese Thermalquellen hat es dort nie gegeben. Dennoch reisten monatelang Besucher zu dem angegebenen Ort und wurden erst vor Ort mit der Realität konfrontiert. Der Vorfall sorgte nicht nur für Unannehmlichkeiten, sondern beschädigte auch das Image des betroffenen Unternehmens erheblich.
Dabei handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Internationale Medien berichteten mehrfach über Situationen, in denen KI fiktive Naturattraktionen, erfundene Schluchten oder traumhafte, aber nicht existierende Verkehrsmittel empfahl. In anderen Fällen waren die Orte zwar real, doch die praktischen Informationen falsch. Fehlerhafte Öffnungszeiten, ungenaue Gehzeiten oder falsche Seilbahnfahrpläne führten dazu, dass Reisende in unangenehme oder sogar gefährliche Situationen gerieten.
Ursache dieser Fehler sind sogenannte Halluzinationen. Künstliche Intelligenz überprüft Informationen nicht anhand der Realität, sondern erzeugt Antworten auf Basis sprachlicher Muster. Fehlen verlässliche Daten oder sind Quellen widersprüchlich, ergänzt die KI die Lücken mit erfundenen, aber glaubwürdig klingenden Details und präsentiert diese mit großer Überzeugungskraft. Für Nutzer wirkt genau diese Selbstsicherheit oft wie ein Zeichen von Zuverlässigkeit.
Gerade im Tourismus ist dies besonders problematisch. Fehler bleiben hier selten folgenlos. Sie können Zeitverlust, unnötige Kosten, Enttäuschung oder sogar gefährliche Situationen verursachen. Fachleute weisen darauf hin, dass der Großteil der von KI erstellten Reisepläne mindestens eine Ungenauigkeit enthält, sei es bei Gehzeiten, angebotenen Dienstleistungen oder Öffnungszeiten. Dennoch verlassen sich immer mehr Menschen auf diese Technologien. Viele halten KI-Assistenten inzwischen sogar für vertrauenswürdiger als Reiseblogger oder Influencer.
All dies bedeutet jedoch nicht, dass Künstliche Intelligenz im Tourismus keinen Platz hat. Im Gegenteil. Als Inspirationsquelle, zur Ideensammlung, für thematische Reisevorschläge oder für Marketing und Content-Erstellung ist sie äußerst effektiv. Sie kann Reisenden helfen, den ersten Schritt in der Planung zu machen, oder Destinationen dabei unterstützen, sich aus neuen Perspektiven zu präsentieren.
Problematisch wird es erst dann, wenn KI als ungeprüfte Informationsquelle genutzt wird. Sie kann weder lokale Kenntnisse noch offizielle Daten oder menschliche Verantwortung ersetzen. Gerade bei touristischen Inhalten ist eine menschliche Kontrolle unerlässlich. Fakten müssen überprüft, Orte verifiziert und praktische Informationen mit verlässlichen Quellen abgeglichen werden.
Künstliche Intelligenz ist daher kein Gegner des Tourismus, sondern ein mächtiges Werkzeug, das verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Für Inspiration, kreative Planung und Visionen ist sie ein hervorragender Reisebegleiter. Als alleiniger Reiseführer hingegen sollte man ihr nur vertrauen, wenn menschlicher Sachverstand, Erfahrung und sorgfältige Kontrolle sie begleiten. In der Zukunft des Tourismus wird nicht die Frage sein, ob wir KI nutzen, sondern wie verantwortungsvoll wir es tun.











