Frühlingsabenteuer in Tokaj-Hegyalja – Entdeckungen in einer historischen Weinregion

Bild: Origo

Ein Weinbaugebiet lohnt sich nicht nur im Herbst – auch im Frühling zeigt es eine ganz besondere Seite In Tokaj-Hegyalja erwacht die Natur zum Leben: Wanderer erkunden die Wege, Radfahrer fahren durch die sanften Hügel, und auf den Aussichtsterrassen der Burgen genießen Besucher die ersten warmen Sonnenstrahlen. Die Region präsentiert sich jetzt von ihrer vielleicht schönsten und ruhigsten Seite.

Tokaj-Hegyalja ist dabei nicht nur eine einzelne Stadt, sondern ein Zusammenspiel von insgesamt 27 Ortschaften. Orte wie Tokaj, Tarcal, Mád, Tállya, Erdőbénye, Sárospatak oder Hercegkút bilden gemeinsam diese einzigartige Kulturlandschaft. Die Hügel sind zwar nicht besonders hoch, bieten jedoch ständig wechselnde Panoramen: die ruhigen Windungen der Bodrog, die geordneten Reihen der Weinberge und die Ausläufer des Zemplén-Gebirges.

Rund um den Tokajer Berg – auch „Kopasz-hegy“ genannt – verlaufen zahlreiche markierte Wanderwege, die im Frühling besonders reizvoll sind. Ein Highlight ist die große Christusstatue bei Tarcal, die aus Stein gehauen wurde und über die Landschaft blickt. Eine kurze, aber eindrucksvolle Wanderung führt hinauf zu diesem Aussichtspunkt, von dem aus man bei klarem Wetter sowohl den Zusammenfluss von Theiß und Bodrog als auch die umliegenden Weinberge überblicken kann.

Auch längere Touren sind möglich: Von Orten wie Erdőbénye oder Tállya aus führen Wege durch Wälder und über historische Routen, die einst von Händlern oder Pilgern genutzt wurden. Wandern in dieser Region bedeutet daher immer auch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist der Megyerer Bergsee bei Sárospatak, der in einem ehemaligen Mühlsteinbruch entstanden ist. Die steilen Felswände rund um den See schaffen eine fast exotische Atmosphäre.

Für Radfahrer bietet die Region ebenfalls ideale Bedingungen Besonders beliebt ist der sogenannte „Tokaj-Kreis“, eine etwa 19 Kilometer lange Strecke, die entlang der Flüsse Theiß und Bodrog verläuft und sich perfekt für entspannte, familienfreundliche Ausflüge eignet. Ambitioniertere Radfahrer können sich am „Hegyalja-Kreis“ versuchen, der mit rund 70 bis 80 Kilometern mehrere Orte der Region miteinander verbindet und durch abwechslungsreiche Landschaften führt – vorbei an Weinbergen, Wäldern, Flussufern und traditionellen Weinkellern.

Auch auf dem Wasser gibt es einiges zu erleben: Das Tokajer Wassertourismuszentrum eröffnet seine Saison bereits Mitte März und bietet zahlreiche Aktivitäten wie Drachenbootfahren, SUP-Touren oder Kajakfahren an. Ergänzt wird das Angebot durch E-Bike-Touren, die durch die idyllischen Weinberge führen.

Neben Natur und Bewegung spielt auch die Geschichte eine wichtige Rolle. Die Region ist eng mit der ungarischen Vergangenheit verbunden. In Monok wurde 1802 Lajos Kossuth geboren, dessen Geburtshaus heute als Gedenkstätte besichtigt werden kann. In Sárospatak beeindruckt die berühmte Rákóczi-Burg, eines der schönsten spät­renaissancezeitlichen Bauwerke der Region, mit herrlichem Blick auf den Bodrog.

Auch kleinere Orte haben ihren besonderen Charme: In Tarcal und Mád finden sich historische Herrenhäuser und Schlösser, während Hercegkút mit seinen einzigartigen Kellerreihen zum UNESCO-Welterbe gehört. Die in den Hang gebauten kleinen Weinkeller wirken wie die Eingänge zu einer unterirdischen Stadt.

Szerencs gilt als das „Tor“ zur Weinregion, wo ein Denkmal den Übergang von der Ebene in die Welt der Weinberge markiert. Und in Tállya befindet sich eine besondere Kuriosität: Hier wurde 1992 der geometrische Mittelpunkt Europas bestimmt, der heute durch ein Denkmal symbolisiert wird.

Tokaj-Hegyalja zeigt im Frühling eindrucksvoll, wie vielfältig eine Weinregion sein kann. Zwischen Natur, Aktivität, Geschichte und Genuss entsteht ein Erlebnis, das weit über klassische Weinverkostungen hinausgeht – und genau deshalb lohnt sich ein Besuch gerade in dieser Jahreszeit besonders.