Vor hundert Jahren flogen bereits Wasserflugzeuge über den Balaton – jetzt kehren sie zurück

Bild: aeroexpress

Was wäre, wenn man die Staus auf der Autobahn M7 einfach überfliegen könnte und innerhalb kürzester Zeit am Balaton wäre – direkt vom Wasser aus? Diese Idee klingt futuristisch, ist jedoch keineswegs neu. Tatsächlich blickt der Balaton auf eine über hundertjährige Geschichte der Wasserfliegerei zurück, und in den letzten Jahren sind Hydroplane wieder am „Ungarischen Meer“ aufgetaucht – zumindest zu Testflügen und Schauveranstaltungen.

Wasserfliegerei als Teil der ungarischen Geschichte

Die Wasserfliegerei ist fest in der ungarischen Luftfahrtgeschichte verankert. Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren wurden regelmäßige Hydroplanflüge auf dem Balaton durchgeführt. Das Unternehmen Aeroexpress bot damals Taxiflüge zwischen Budapest und Siófok sowie Rundflüge für Urlaubsgäste an. Die Route führte unter anderem über Balatonalmádi, Balatonfüred, Keszthely und Balatonföldvár. Noch bis 1937 war ein Wasserflugzeug des Typs Junkers F–13 auf dem See im Einsatz.

Warum Hydroplane heute wieder Thema sind

In den letzten Jahren haben Testflüge und Publikumstage gezeigt, dass Wasserflugzeuge auch heute technisch problemlos auf dem Balaton betrieben werden könnten. Fachleute betonen, dass der See aus aviatischen und nautischen Gründen hervorragend geeignet ist. Lediglich bei starkem Wellengang, vor allem an der Südseite des Sees, könnten Einschränkungen auftreten.

Der Gründer des Luftfahrtkulturellen Zentrums, Dániel Somogyi-Tóth, weist darauf hin, dass Wasserfliegerei eine der umweltfreundlichsten Formen des Fliegens ist: Es sind keine Start- oder Landebahnen notwendig, keine Flächenversiegelung, keine baulichen Eingriffe in die Natur. Selbst kleine Stege seien nicht zwingend erforderlich, sondern lediglich eine Komfortfrage.

Erlebnis statt Massentransport

Trotz der technischen Machbarkeit steht aktuell nicht der Linienverkehr im Vordergrund, sondern das Erlebnisfliegen. Die Nachfrage wäre zwar vorhanden, doch Experten sehen die Stärke der Hydroplane derzeit vor allem in der Verbindung von Schifffahrt und Fliegerei, die einen einzigartigen Blick auf den Balaton ermöglicht. Nach dem Start hinterlassen die Flugzeuge keine Spuren – weder auf dem Wasser noch in der Landschaft.

Blick in die Zukunft

Neben touristischen Anwendungen könnten Hydroplane künftig auch eine wichtige Rolle im Katastrophenschutz spielen, etwa bei der Bekämpfung von Waldbränden, die durch zunehmend trockene Sommer in Europa häufiger werden. Für das kommende Jahr planen das Aeropark Luftfahrtmuseum und die neu gegründete Aeroexpress gemeinsame Hydroplan-Tage, bei denen Besucher diese besondere Form der Fortbewegung aus nächster Nähe erleben können – sowohl vom Boot als auch aus der Luft.

Die Rückkehr der Hydroplane an den Balaton ist somit nicht nur eine nostalgische Reise in die Vergangenheit, sondern auch ein Blick in eine nachhaltige, vielseitige Zukunft der Mobilität.