TouristikNews / Flying Media Chefredakteur Sven Klawunder hat heute in Antalya beim TÜRSAB Tourismsukongress ein Interview mit Firuz Bağlıkaya, Präsident des türkischen Reisebüroverbandes TÜRSAB führen können. Natürlich stand die derzeitige Situation durch den Irankonflikt auch auf der Tagesordnung der Konferenz und die Zukunft des türkischen Tourismus sowie des Welttourismus.
„Wir sollten über Charter sprechen – nicht über Kampfflugzeuge“
Sven Klawunder: „Herr Präsident, während Ihres Jahreskongresses wurde bekannt, dass in den kommenden Tagen Friedensgespräche zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten beginnen sollen. Welche Bedeutung hat diese Nachricht für die Branche?
Firuz Bağlıkaya: Selbstverständlich hat uns diese Nachricht sehr gefreut. Dass gerade während unseres Jahreskongresses die Information über den Beginn von Friedensgesprächen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika eingegangen ist, hat für zusätzliche positive Stimmung gesorgt.
Die vergangenen Entwicklungen haben den Tourismus durchaus beeinflusst. Wir haben Stornierungen erlebt und viele Kunden waren zunächst zurückhaltend. Gerade in sensiblen Phasen reagieren Märkte sehr vorsichtig.
Ich bin jedoch überzeugt, dass sich diese Situation kurzfristig wieder normalisieren wird. Besonders auf den europäischen Quellmärkten ist es entscheidend, dass sich die Menschen sicher fühlen. Sicherheit und Vertrauen sind die Grundlage jeder Reiseentscheidung.
Unsere Branche ist krisenerfahren. Dennoch wirken solche positiven politischen Signale sofort stabilisierend. Deshalb war diese Nachricht für uns nicht nur wichtig, sondern auch ein sehr ermutigendes Signal im Rahmen unseres Kongresses.
„Tourismus ist ein Brückenbauer in einer Welt voller Spannungen“
Sven Klawunder: Wie beurteilen Sie die aktuellen geopolitischen Spannungen insgesamt und deren Auswirkungen auf den Tourismus?
Firuz Bağlıkaya: In einer Welt, in der zunehmend Mauern errichtet werden, ist der Tourismus eine der wenigen Kräfte, die aktiv Brücken baut. Er ist damit eines der wirksamsten Gegenmittel gegen globale Unsicherheiten.
Die Entwicklungen in unserer Region wirken sich unmittelbar auf den internationalen Tourismus aus. Steigende Spannungen und sich verändernde geopolitische Gleichgewichte schränken die Reisefreiheit ein. Gleichzeitig verlängern Unsicherheiten die Entscheidungsprozesse der Kunden und führen zu einer Neuordnung der Reisezielpräferenzen.
Neben den humanitären Auswirkungen erhöht sich dadurch auch der Druck auf unsere Branche erheblich.
„Reisebüros sind die Architekten der Erholung“
Sven Klawunder: Welche Rolle spielen Reisebüros in solchen Krisenzeiten?
Firuz Bağlıkaya: Unsere Erfahrung zeigt ganz klar: Die Tourismusbranche hat viele schwierige Phasen überstanden und sie hat sich immer wieder neu aufgestellt.
In genau diesen Momenten waren es die Reisebüros, die die Erholung eingeleitet haben. Sie sind nicht nur Vertriebseinheiten, sondern aktive Gestalter des Marktes. Sie lenken Nachfrage, schaffen Vertrauen und entwickeln neue Impulse.
Gerade in unsicheren Zeiten übernehmen Reisebüros eine Schlüsselrolle, sowohl für die Stabilisierung als auch für die Neuausrichtung des Marktes.
„Die Stärkung der Reisebüros ist entscheidend für die Stabilität des Tourismus“
Sven Klawunder: Was ist jetzt aus Ihrer Sicht besonders wichtig für die Branche?
Firuz Bağlıkaya: In sensiblen Phasen wie diesen ist es entscheidend, dass Reisebüros gezielt unterstützt werden. Unsere Agenturen müssen stärker, flexibler und wettbewerbsfähiger werden. Dafür brauchen wir funktionierende und schnell greifende Unterstützungsmechanismen.
Die Stärkung der Reisebüros sichert die Kontinuität der Touristenströme und bildet das Fundament einer stabilen Tourismusstruktur. Ein starker Tourismussektor wirkt sich direkt positiv auf die Wirtschaft, die Beschäftigung und die internationale Position unseres Landes aus.
„Wir müssen wieder über Wachstum sprechen“
Sven klawunder: Ihr vielzitierter Satz lautet: „Wir sollten über Charter sprechen, nicht über Kampfflugzeuge.“ Was meinen Sie damit konkret?
Firuz Bağlıkaya: Wir wünschen uns, dass sich die globale Diskussion wieder auf wirtschaftliche und touristische Entwicklungen konzentriert und nicht auf militärische Themen.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen darüber sprechen, wie viele Charterflüge in unsere Destinationen kommen, wie viele Kreuzfahrtschiffe unsere Häfen anlaufen und wie sich die Frühbuchungszahlen entwickeln.
Das sind die Kennzahlen, die für unsere Branche zählen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir sehr bald wieder genau dort ankommen werden.“
Am heutigen zweiten Kongresstag ging eine spürbare Erleichterung über die Nachricht eines Waffenstillstandes durch die Reihen. Hoteliers, Reiseveranstalter, Touroperator bishin zur Tourguide sehen durchaus nun eine positive Entwicklung im Tourismus innerhalb der Türkei, aber auch in anderen Ländern.











