Sopron ist nach Budapest in Ungarn die Stadt mit den meisten Baudenkmälern und somit immer eine Reise wert. Aber auch in der Umgebung gibt es jede Menge zu entdecken.

Eine Tagestour könnte beispielsweise im 30 km östlich gelegenen Städtchen Fertőd beginnen. Hier empfängt das Schloss Eszterháza seine Gäste. An der Stelle des im Rokoko-Stil errichteten einstigen Herrschaftshauses der Fürstenfamilie Eszterházy wurde am Anfang des 17. Jahrhunderts ein kleineres Jagdschloss errichtet, welches ab 1764, nachdem Fürst Nikolaus I. zu Besuch in Versailles war, im Stile des französischen Vorbilds fast ein halbes Jahrhundert lang um- und ausgebaut. Ganz schön lange, aber bis heute zeigt sich hier das Repräsentationsbedürfnis der Familie Eszterházy, und so ist es auch wenig verwunderlich, wenn man heute vom „ungarischen Versailles“ spricht.

Schloss Eszterhazy – Foto: Flying Media Hungary

Die Anlagen können im Sommer von 10-18 Uhr besichtigt werden. Aufgrund von Renovierungsarbeiten sind derzeit aber nicht alle Teile begehbar. Weitere Informationen auf Deutsch finden Sie hier: http://eszterhaza.hu/de/startseite

Nationalpark am Neusiedler See – Foto: Flying Media Hungary

Von hier aus empfiehlt sich die Straße am Rande des Nationalparks Fertő-Hanság, um in etwa 40 Minuten nach Fertőrákos zu gelangen. In der Gemeinde am Neusiedler See lohnt sich ein Besuch des Steinbruchs, in dem über die Flora und Fauna der Umgebung informiert wird. Von zahlreichen Aussichtspunkten kann man den Fertő-tó, was so viel wie „Sumpfsee“ bedeutet, wunderbar überblicken und weit bis auf die österreichische Seite sehen. Das sich im Steinbruch befindende Felsentheater besticht durch eine hervorragende Akustik. Wer ein Konzert besuchen möchte, muss sich die Eintrittskarten rechtzeitig sichern, denn gerade im Sommer sind die Veranstaltungen regelmäßig ausverkauft. Der Steinbruch ist von 10-18 Uhr geöffnet, weitere Informationen finden Sie hier: https://www.fertorakosikofejto.hu/nemet_oldal.html

Graurinder im Nationalpark – Foto: Flying Media Hungary

Bevor es nun zurück ins nur noch 10 km entfernte Sopron geht, sollte man kurz vor Sopronkőhida dem Hinweisschild „Paneurópai Picknick Emlékhely“ nach rechts folgen. Nach knapp 4 km erreicht man den Ort, wo am 19. August 1989 einer der ersten Steine aus der Berliner Mauer gebrochen wurde. Als Schirmherren für das Paneuropäische Picknick hier unmittelbar an der ungarisch-österreichischen Grenze fungierten seinerzeit der CSU-Europaabgeordnete Otto von Habsburg und der ungarische Staatsminister und Reformer Imre Pozsgay. Eigentlich sollten sich hier Ungarn und Österreicher „treffen und kennenlernen“, aber die gedruckten Handzettel wurden auch gezielt an DDR-Bürger verteilt, die im Sommer 1989 zu Tausenden von Ungarn aus versuchten, in den Westen zu gelangen. Letztlich gelang es an diesem Tag  bis zu 700 DDR-Bürgern, nach Österreich zu kommen. Das war sozusagen ein Test, wie die Sowjetunion auf diese kurzfristige Beseitigung des Eisernen Vorhangs reagieren würde. Der Rest ist bekannt: 3 Wochen später am 10. September öffnete Ungarn seine Grenzen zu Österreich endgültig, weitere 2 Monate danach wehte auch über die Berliner Mauer der Wind der Geschichte. Dazu beigetragen hat auch der Tag im August 89 bei Sopronkőhida. Das Treffen möge in der Erinnerung heute oftmals zentraler dargestellt werden, als es im Sommer 1989 der Fall war. Aber hier kann man in einem kleinen Erinnerungspark ein wenig jüngere Zeitgeschichte einatmen.

von Stefan Höhm (sh)

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