Ein Schritt in die richtige Richtung: „bedeutende” Gehaltserhöhungen im ungarischen Gesundheitswesen

Archivbild Ungarischer Zahnarzt - Foto: Flying Media Hungary

Angestellte im ungarischen Gesundheitswesen können sich freuen: János Lázár, Minister im Ministerpräsidentenamt, kündigte für November „bedeutende” Gehaltserhöhungen im Gesundheitsbereich an. In Zahlen gesprochen erhalten Ärzte dann bis zu 100.000 Forint (!) mehr, ohne Fachprüfung werden es wie bei Apothekern 50.000 Forint sein. Facharbeiter werden 12% mehr auf dem Lohnzettel haben. Insgesamt werden 98.000 Mitarbeiter mehr Geld bekommen, darunter 79.000 Facharbeiter und 16.000 Fachärzte.

Die diesjährigen Gehaltserhöhungen im Gesundheitsbereich werden den Steuerzahler 82,5 Milliarden Forint kosten, sagte der Politiker. Weitere 56 Milliarden Forint werden kurzfristig dafür aufgewendet, um das Schuldenmanagement der Krankenhäuser zu verbessern, um mit strukturellen Änderungen langfristig einen Schuldenabbau zu erreichen.

Zudem hält die Digitalisierung Einzug. Ab November werden schrittweise die Behandlungsdaten zentral erfasst, um das System durchsichtiger zu gestalten. Betroffen sind davon neben den Krankenhäusern auch die Hausärzte, die Fachpraxen oder Apotheken. Die Apotheken, die Ärztekammer und der Krankenhausverband unterstützen diese Initiative.

Weiterhin werde in Süd-Buda ein neues Krankenhaus gebaut. 150 Milliarden Forint sollen investiert werden, dass nicht nur das modernste Krankenhaus Ungarns, sondern der ganzen Region entstehe.

Insgesamt darf man hoffen, dass das ungarische Gesundheitssystem damit aus seiner Lethargie erwacht. Ungarn verfügt zwar über hervorragend ausgebildete Ärzte – selbst ausländische Studenten wissen die Ausbildung etwa an der ehrwürdigen Semmelweiss-Universität in Budapest zu schätzen. Aufgrund der viel besseren Verdienstmöglichkeiten wandern aber vor allem junge Ärzte in den Westen ab. Zudem hat sich nach dem II. Weltkrieg mit dem „Dankbarkeitsgeld“ (Hálapénz) eine Art schwarze Bezahlung der Ärzte durch ihre Patienten etabliert, mit der niemand wirklich glücklich ist. Die zuweilen offensichtliche Unterfinanzierung führt zudem oft zu einem nicht effektiven Einsatz der Gelder in den Krankenhäusern. Mit einer Anhebung des Gehaltsniveaus sowie grundlegenden strukturellen Änderungen könnte die Umsetzung der Pläne ein Schritt in die richtige Richtung sein.

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